Ein Brauchtum zwischen Isar und Inn, ins Weisert gehen.
Herkunft
Der Weisertwecken ist ein Geschenk, das zur Geburt eines Kindes der jungen Mutter zur baldigen Stärkung überbracht wird (überliefert aus Zeiten, da Weizenmehlgebäck noch nicht alltäglich war). Des Weiteren wächst sich die Geschenkübergabe zum fröhlichen Beisammensein („zum Weisert gehen“) aus, denn Gäste, die solch ein langes Brot anschleppen, lassen sich allzugerne mit einer Brotzeit belohnen.
Mit dem Weisertwecken ist auch der Segenswunsch verbunden, dass niemals das Brot im Hause ausgehen soll und damit auch Gottes Segen auf den neuen Erdenbürger liege.
Das Wort "weisen" hat seinen Ursprung im althochdeutschen Wort "wisod", das soviel bedeutet wie "Geschenk".
Länge
Die Länge des Weisertweckens richtet sich nach dem Geburtsgewicht des Stammhalters. Dabei gilt: Pro Pfund ein Meter Weisertwecken.
Teig
Der Wecken kann aus Brot- oder Weißbrotteig sein. Einige Vereine machen vorne und hinten einen Meter Nusszopf und in der Mitte den Brotteig. Der gesamte Weisertwecken wird traditionell als Zopf geflochten.
Vorbereitung
In der Regel trifft man sich vormittags zum Herrichten.
Den Wecken transportiert man am besten auf einer (Holz)leiter, auf der ein paar gehobelte Bretter liegen. Zum Transport wird der Wecken mit einer Küchenfolie abgedeckt, um ihn beim Transport vor Regen und Schmutz zu schützen. Auf den Wagen kommt ein Gestell, an dem man eine Wäscheleine befestigen kann. Der ganze Wagen wird dann noch mit weiss-blauen Schleifen, Daxen usw. geschmückt.
In manchen Ortschaften bezahlen die beteiligten Vereine die Wäsche (Hosen, Socken, Strampler, Lederhose, Vereinskleidung).
Fertig zum Transport geschmückt
Transport
Am schönsten ist der Transport mit einem alten Traktor. Noch schöner wären evtl. Rösser.
Da dies aber immer mit erheblichem Aufwand verbunden ist, wird bei uns die Leiter teilweise von den Mitgliedern getragen.
Dann gehts los. Nach einer kleinen Brotzeit/Mittagessen setzt sich der Zug in Bewegung.
Wenn möglich kann der Zug von (einem) Musikanten (z.B. Ziachspieler) begleitet werden.
In der Regel werden alle Vereinsmitglieder angefahren, die auf dem Weg liegen. Während der Fahrt wird immer (gerade bei Engstellen) ausgemessen, ob der Wecken auch durchpasst. Also Maßband und Nivelierstock o.ä. nicht vergessen.
Übergabe
Nach der langen und zumeist anstrengenden Fahrt kommt man dann beim Stammhalter an. Ein Gedicht zur Übergabe ist üblich.
Die Eltern hängen dann die Wäsche ab und beißen den Weisertwecken an. Danach wird der Weisertwecken ins Kinderzimmer gehoben, üblicherweise übers Fenster.
Der Weisertwecken muß, um Glück zu bringen, ganz ins Haus hinein!
Um sich von den Strapazen des Transports zu erholen, kann beim Reintragen oder Hochheben des Weckens noch ein paar Mal Pause gemacht und von den Eltern ein Schnaps gefordert werden. Außerdem sollte der Vorstand prüfen, ob es sich auch wirklich um einen männlichen Stammhalter handelt.
Wenn dann der Weisertwecken übergeben wurde, gibts von den Eltern eine Brotzeit. Normalerweise wird dann der Wecken zusammengegessen. Deshalb ist es nicht schlecht, wenn es Gulasch, Chilli oder ähnliches gibt, wo man des Weißbrot schön eintunken kann. Kaffee und Kuchen bzw. Nußzopf gibts natürlich auch.
Achtung
Der Weisertwecken wird nur für den erstegborenen Jungen überreicht egal ob es ältere Schwestern gibt und egal ob die Eltern verheiratet sind oder nicht, was sich eigentlich aber schon gehört...
zurück
